Seit 1998 wird weltweit am 28.10. zum Gedenken an den Entwickler des ersten Polioimpfstoffes, Dr. Jonas Salk, der Welt-Polio-Tag begangen. Auf Anregung des Bundesverbandes Poliomyelitis e. V.  wurde durch die WHO und die UNICEF dieser Tag als ein besonderer Tag eingerichtet.

Welt-Polio-Tag 2012

Das Ziel, die Bevölkerung für Polio, das Post-Polio-Syndrom und das Schicksal der noch lebenden Polio-Erkrankten zu sensibilisieren, wurde auch 2012 in großem Maße erreicht.
Tatsächlich kann man im Internet lesen, dass dieser Tag überall auf der Welt begangen wird. In Europa, USA, Kanada, Australien, Japan und in noch vielen anderen Teilen der
Welt wird dieser Tag feierlich begangen. In Deutschland hat das Robert Koch-Institut im Epidemiologischen Bulletin Nr. 42/2012 auch in diesem Jahr diesen Tag erwähnt und gewürdigt.

Der Präsident des Robert Koch-Institutes, Prof. Dr. Reinhard Burger, hat in einem Interview gegenüber dpa die Erfolge der verschiedenen Aktionen zur Ausrottung der Polio hervorgehoben und eindringlich auf die Notwendigkeit des Impfens hingewiesen.
Er hat auch das Post-Polio-Syndrom genannt. In über dreißig Tageszeitungen wurde dieser Tag erwähnt. Der Politiker Dirk Niebel hat in einer Presseerklärung den Welt-Polio-Tag gewürdigt. Die „Ärzte-Zeitung“ spricht von einem „schweren Kampf“ gegen Polio. Im Landtag von Baden-Württemberg wurde im Rahmen einer Feierstunde auf den Welt-Polio-Tag hingewiesen.

Die zentrale Veranstaltung des Bundesverbandes fand in diesem Jahr in Hamburg statt. Eine Kooperation mit Rotary International hat es ermöglicht, gemeinsam vor die Presse
zu treten und auf die Bedeutung der Polio und die Probleme der noch lebenden Polio-Opfer hinzuweisen.

Barbara Groth, derzeit Distrikts-Governor von Rotary International, erklärte zum „Beinahe“-Erfolg der Ausrottung der Kinderlähmung: „99 Prozent sind nicht 100!" Deshalb sei es wichtig, an Impfungen festzuhalten, bis das Virus komplett ausgelöscht sei. Mit einem Stopp würden auch die Infektionszahlen schnell wieder ansteigen. Groth erklärte weiter: „Auch in Deutschland ist die Impfung weiterhin wichtig, damit niemand zum unfreiwilligen Überträger
wird“. Hans-Joachim Wöbbeking, Vorstandsmitglied im Bundesverband Poliomyelitis  e. V., nutzte die Gelegenheit, besonders eindringlich auf die Situation der Betroffenen hinzuweisen: „Mit der Erkrankung an Kinderlähmung ist es häufig nicht erledigt.

Jahrzehnte nach der Infektion mit dem Virus treten neue Lähmungen und andere Symptome auf. Die Probleme, mit denen die Betroffenen im Alltag bei der Beantragung von Hilfsmitteln und Therapien kämpfen müssen, beruhen auf der Unkenntnis des so genannten Post-Polio-Syndroms. Ärzte, Therapeuten und Betroffene müssen über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt werden. Nur dann ist eine erfolgreiche Therapie möglich.“

Die spektakuläre Freigabe einer Lok der Deutschen Bahn mit der Aufschrift: „Wir sind fast am Ziel, steigen Sie ein …“ sorgte für einiges Aufsehen. Ein Jahr lang wird diese Lok in  Deutschland an Polio erinnern. Der Nachmittag des 26. Oktober 2012 stand ganz im Zeichen der Betroffenen. Hans-Joachim Wöbbeking erinnerte eindringlich an die Situation
der Betroffenen. Er appellierte an alle Beteiligten: „Vergesst uns nicht! Bei der Freude über die Ausrottung der Kinderlähmung bleibt für die Gesellschaft die historische Verpflichtung, sich um die Betroffenen zu kümmern.“

Frau Imogen Buchholz, Leiterin des Dezernats Gesundheit der Freien und Hansestadt Hamburg, sprach in einem Grußwort über das Thema Geschichte der Bekämpfung der Kinderlähmung in der Hansestadt Hamburg. Sie erinnerte daran, dass in Hamburg bereits seit 1920 die Polioerkrankung erforscht werde.

Frau Dr. Katrin Neubauer vom Robert Koch-Institut in Berlin informierte anschließend mit
einem sehr interessanten Vortrag über die Geschichte und aktuelle Situation der Ausrottung
der Polio. Sie führte den Anwesenden vor Augen, wie schnell sich ein Virus durch persönliche Kontakte verbreiten kann. Im Anschluss an eine lebhafte Diskussion sprach Dr. med. Bernd Schucher, Oberarzt am Krankenhaus in Großhansdorf, in einem Fachvortrag über das Thema Heimbeatmung bei PPS (Post-Polio-Syndrom).

Es war sehr eindrucksvoll zu erfahren, welche Probleme durch eine zu flache oder falsche Atmung wegen einer zu schwachen Atemmuskulatur entstehen können. Er riet ausdrücklich dazu, bereits bei geringen Anzeichen einer Unterbeatmung ein geeignetes Schlafzentrum aufzusuchen.

Der Bundesverband Poliomyelitis e. V. kann mit Stolz auf die Bilanz des diesjährigen Welt-Polio-Tages blicken. Allen Mitgliedern und Mitstreitern gebührt ein ganz herzliches Dankeschön! Die unermüdliche Arbeit in den Regionalgruppen und Landesverbänden hat ihre Früchte in einem enormen weltweiten Echo getragen. Mögen wir alle auch weiterhin nach dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ mit ganzer Kraft zum Wohle der Betroffenen in den verschiedenen Gremien unseres Verbandes zusammenarbeiten.

von Hans-Joachim Wöbbeking

Bundesverband Poliomyelitis e.V.

  • Interessengemeinschaft von Personen mit Kinderlähmung
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