PNF_Scapula-Beckenpattern_1



PNF_Scapula-Beckenpattern_2

2.4.4. PNF – Die Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation

Die Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation fördert das Zusammenspiel von Nerven und Muskulatur durch gezielte Reize von Exterozeptoren, also Sensoren, die Reize von außerhalb des Körpers aufnehmen (Hautkontakt, Blickkontakt, Kommandos), und Propriozeptoren, also Sensoren, die Reize aus dem Inneren des Körpers aufnehmen (Druck, Zug, Muskel- und Sehnenspannung, Lagesinn). Gemeint ist damit, durch verstärkte Anregung dieser Sensoren, das neuromuskuläre Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln zu fördern und dadurch normale Bewegungsmuster zu erleichtern (Fazilitation). Diese aktive Methode besteht aus definierten Bewegungsmustern. Sie orientiert sich an der normalen motorischen Entwicklung. Die Bewegungsmuster (Pattern) zeigen sich in (statischen) Halte- und (dynamischen) Bewegungsfunktionen unseres Körpers. Auch wenn die Bewegungsabläufe vielleicht groß und deutlich erscheinen und bei normaler Motorik immer vorhanden sind, so sind sie aber für das ungeübte Auge oft wenig auffällig. Sie verlaufen dreidimensional und diagonal, da die Muskulatur spiralig angelegt ist.Therapeutisch werden mit genau festgelegten Reizen der Berührungs-, Druck-, Muskeldehnungs-, Sehnenspannungs- und Lagesinnrezeptoren physiologische Bewegungsmuster gegen einen angepassten dreidimensionalen Widerstand ausgeführt. Die erwarteten Reaktionen im Sinne einer erhöhten Muskelkontraktion oder zusätzlichen Entspannung (Einleitung und/oder Erleichterung einer Bewegung) werden in einer festgelegten Art und Reihenfolge durchgeführt. Ziele der Anwendung sind, die Muskelspannung zu normalisieren (z. B. schwache bzw. gelähmte Muskeln zu aktivieren), die motorische Kontrolle, die Mobilität, die dynamische Stabilität und Ausdauer, aber auch die Geschicklichkeit und Koordination zu fördern.

Die Auswahl und Durchführung von Pattern und Techniken, hängt immer von der individuellen Situation des Patienten ab. Die Therapie erfasst den Menschen ganzheitlich und setzt immer bei seinen stärksten Körperabschnitten an, um gezielt die Schwächen im Sinne der normalen motorischen Funktionen zu erreichen. Auch psychologisch bedeutet dieser Therapieansatz, dass der Patient seine Stärken erspürt und positiv motiviert gezielte Aktivitäten aufbauen kann.

Wichtig ist es, den bahnenden Charakter dieses Konzeptes zu betonen. Dazu gehören exakt dosierte, eher geringe Widerstände und teilweise auch die Abwandlung der Griffe zur Unterstützung der von der Schwerkraft überforderten Muskulatur. Die Therapie sollte unter dem Motto "Koordination vor Kraft" stehen. Übungen gegen zu hohe Widerstände ("am langen Hebel") sollten beim PPS unbedingt vermieden werden. Sie bekommen im Allgemeinen den Patienten nicht gut und überfordern sie.

Video der Therapie nach PNF (Urheber ist der mittlerweile aufgelöste PolioEcho e. V.)


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