Bobath_Konzept

2.4.1. Bobath-Konzept

Die Behandlung nach dem Bobath-Konzept wird, obwohl ursprünglich bei zentralen Lähmungen entwickelt, in modifizierter Form heute auch in jedem Lebensalter bei allen Bewegungsstörungen, die durch Nervenschädigungen hervorgerufen werden, erfolgreich angewandt. Es beruht auf der Plastizität (Umorganisationsfähigkeit) des Gehirns, nämlich der Annahme, dass gesunde Hirnregionen die zuvor von den erkrankten Regionen ausgeführten Aufgaben neu erlernen und übernehmen können. Vorhandene abnorme Haltungs- und Bewegungsmuster müssen verändert werden, damit willkürliche, koordinierte Bewegungen ausgeführt werden können. Die Schulung der Kopf- und Rumpfkontrolle, Gleichgewichtsreaktionen, Gleichgewichtsübertragungen von einer auf die andere Körperseite, stehen im Vordergrund der Behandlung, ergänzt durch die Bahnung von alltagsnahen, handlungsbezogenen Bewegungen der Extremitäten. Während der Behandlung lernt der Patient unter den Händen des Therapeuten wieder normale Bewegungsabläufe am eigenen Leib kennen. Die Haltung und Lagerung des Patienten werden so gestaltet, dass pathologische Bewegungen umgestaltet werden zugunsten einer normalen Bewegungsbahnung. Die Bahnung dieser Bewegungsabläufe geschieht über die Hilfe durch die Hände des Therapeuten. Entsprechend der Möglichkeiten des Patienten wird die Bewegung verdeutlicht, ein Teil der gegen die Schwerkraft gerichtete Arbeit erleichtert und die vom Patienten ausgehende Aktivierung seiner Muskulatur erspürt und gegebenenfalls in richtige Bahnen gelenkt. Das Bobath-Konzept kennt zudem auch Stimulationstechniken, die je nach Erscheinungsbild der Symptome zur Anwendung kommen. Das Wiedererlernen des Gefühls für die Bewegung und damit die Abrufbarkeit durch den Patienten selbst stehen im Vordergrund.

Die Behandlung richtet sich nach dem Befund, orientiert sich an der normalen Bewegung und sollte sich auf das Hauptproblem der Bewegungsstörung fokussieren. Wichtig ist der Aufbau von Sequenzen der Alltagshandlungen durch Hilfestellungen und Festigung der Bewegungsabläufe durch Wiederholungen.

Das Bobath-Konzept sollte in den 24-Stunden Rhythmus des Patienten integriert werden. Dabei ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Pflegenden, Angehörigen und Patienten erforderlich.
Das Ehepaar Bobath bezeichnete seine Arbeitsweise ausdrücklich als Konzept und nicht als Methode. Das Bobath-Konzept fordert also keine vorgeschriebenen Techniken, Methoden oder Übung, die mit allen Patienten in immer gleicher Weise zu absolvieren sind. Es berücksichtigt vielmehr die individuellen Möglichkeiten und Grenzen eines Patienten und bezieht diese unter Anwendung einiger Prinzipien in Pflege und Therapie ein.

Video der Therapie nach Bobath (Urheber ist der mittlerweile aufgelöste PolioEcho e. V.)


Bundesverband Poliomyelitis e.V.

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