Biopsie

Die Durchführung einer Muskelbiopsie ist bei der Abklärung eines PPS nur in eher seltenen Ausnahmefällen erforderlich. Die Notwendigkeit kann sich insbesondere ergeben bei sehr rascher Progredienz, bei ausgeprägter Erhöhung der CK oder unklaren EMG – Befunden mit eher kleinen Potentialen motorischer Einheiten.

Zu erwarten sind neurogene Veränderungen, wie „Type-grouping“, atrophische Fasern, zentrale Kerne, Faserzersplitterung, Target-Fasern, Ringfasern, Kernfasern, Mottenfraß-Fasern und sarkoplasmatische Körperchen. Dabei finden sich häufig auch Hinweise auf eine aktive Denervierung wie „angulated fibers“.

Zusatzuntersuchungen

Bildgebung

Die Bedeutung bildgebender Verfahren liegt in der Notwendigkeit, eine andere Ursache
der Post-Polio-Beschwerden auszuschließen, der Möglichkeit von Verlaufsbeobachtungen
und auch der Abschätzung der Schwere der Veränderungen. Natürlich ist die Auswahl der Untersuchung von der individuellen Symptomatik und Fragestellung abhängig zu machen, aber auch von der Konsequenz des erhobenen Befundes.

Immer noch üblichste Untersuchung ist das Skelettröntgen:
Häufige Fragestellung ist die Suche nach lokalen degenerativen oder entzündlichen Gelenkveränderungen, die lokale Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen erklären können und durch das Röntgenbild eine Sicherung der poliospezifischen Dysmorphien der
Gelenke ermöglichen. Hieraus ergeben sich Konsequenzen für die orthopädietechnische
Versorgung mit Schienen, z.B. achskorrigierenden Schuhzurichtungen und auch Miederversorgungen bei progredienten Lähmungsskoliosen.

Röntgenübersichtaufnahmen zeigen in der Regel die als Poliofolge einzuschätzende
Osteopenie erst ab einem Substanzverlust von 40%, sind aber dennoch leitlinienentsprechend (DVO) Basisdiagnostik. Für die Wirbelsäulenaufnahmen können Aufnahmen im Stand mit Beinlängenausgleich mobile von fixierten Skoliosen und statisch bedingte Verkrümmungen von reellen Beinverkürzungen differenzieren. Röntgen-funktionsaufnahmen der Wirbelsäule in der Sagittalebene zeigen segmentale Fehlfunktionen, Instabilitäten mit dynamischen Störungen des Alignements, Gelenkfunktionsaufnahmen zeigen therapiebedürftige Fehlstellungen und sind zum Stellen von OP-Indikationen, z.B. für das patellofemorale Gelenk unverzichtbar. Bewegungseinschränkungen von Gelenken können als arthrogen oder weichteilbedingt
unterschieden werden.

Röntgendarstellungen mit Kontrastmittel sind seit der Einführung von Schnittbildverfahren
seltener geworden, müssen bei Poliofolgen in vielen Fällen aber immer noch als
Myelographien oder auch als Funktionsmyelographien bei sekundären Spinalkanalstenosen
sowie bei Defektarthropathien der Polio-Patenten- typischen „Krücken- Schulter“ durchgeführt werden.

Beachtet werden sollten die morphologischen Veränderungen der Magnet-resonanztomographie in Bezug auf die Poliofolgen. Spezifische Muskelbilder in den Sequenzen geben Auskunft über die Betroffenheit. Mit dem bindegewebigen Ersatz und der Rückbildung der Muskulatur können auch zeitliche Entwicklungen dargestellt werden. Außerdem kann die MRT bei starken belastungsabhängigen Schmerzen beim Stehen und Gehen differentialdiagnostisch eine relevante Spinalkanalstenose ausschließen oder nachweisen. Unter Umständen ist auch die Suche nach strukturellen Hirnveränderungen als Ursache abnormer Müdigkeit sinnvoll.

Schnittbildverfahren wie die Computertomographie haben in der modernen Hochzeilentechnik die sehr strahlenbelastenden konventionellen Tomographien des Skeletts abgelöst.

Das CT hat für Polio-Patienten eine hohe Aussagekraft zur Beurteilung knöcherner
Engen, Spaltbildungen und den wirbelsäulentraumatologischen Fragestellungen. Auch andere dreidimensionale Fragestellungen, inklusive der Diagnostik von Bandscheibenvorfällen (bis auf die des cervicothorakalen Überganges, für die sich das MRT besser eignet) sind gut zu klären.

Zur Planung operativer Eingriffe an Füßen, großen Gelenken und der Wirbelsäule ist die
Möglichkeit der dreidimensionalen Rekonstruktion mittels Computersoftware häufig sehr
hilfreich und entscheidend. So wird ein poliodysplastisches Becken ohne dieses Verfahren
für die operative Versorgung mit einem TEP- Implantat schwerer zu beurteilen sein. Die Ultraschalldiagnostik wird bei Poliopatienten, sowohl für viscerale Organe, Schilddrüsendiagnostik, wie auch für das häufig betroffene Gefäßsystem notwendig. Ihr häufigster Einsatz wird außer für weichteilmorphologische Fragestellungen für dynamische
Befunde des Halte-und Bewegungsapparates notwendig werden. Die funktionelle Beurteilung der Rotatorenmanschette bei der Polio-spezifischen Krückenschulter wird durch
eine gute Ultraschalldiagnostik wesentlich verbessert. Die Sonographie gerade beim Poliopatienten ist aber in ihrer Nutzung stark abhängig von der Erfahrung des Untersuchers.
Dann kann sie große Dienste bei der Beurteilung von Betroffenheit von einzelnen Muskeln,
Muskelgruppen und ihrer Funktion leisten. Sonographisch gestützte Punktionen
werden in Sonderfällen nötig sein.

Spezialitäten aus der funktionellen Rückendiagnostik sind die Erstellung von Bildern mit
Verlaufsdokumentationen an Rückenmesssystemen für die Wirbelsäulenbeweglichkeit
von Poliopatienten und die Darstellung von richtungsabhängigen Kraftmessungen z.B.
bei Lähmungsskoliosen.

Solche Rückenmesssysteme sind in wenigen Rehabilitationskliniken, dafür mit steigender Zahl in großen Fitnesseinrichtungen vorhanden und können bei spezifischen Kenntnissen der Poliofolgen an der Wirbelsäule und ihrer Muskulatur therapeutisch verwertbare Bilder von Beweglichkeit/-sveränderungen , Kraft/-zunahmen und Dysbalancen erbringen. Letztendlich genannt werden muss die Osteodensitometrie zur Evaluation der bei Poliopatienten überhäufigen Osteoporose. Nach den S1 Richtlinien der AWMF (dvo) wird
außer dem nativen Röntgen Bild die „Duale Energie Xray“ (Röntgen) Absorptionsspektrometrie (DXA) empfohlen.

Bundesverband Poliomyelitis e.V.

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