Wirbelsäule

Die klinische Untersuchung der Wirbelsäule erfolgt möglichst im Stehen auch bei Standunsicherheit. Asymmetrien der Taillendreiecke, einseitiger Schulterhochstand, Rippenprominenz oder sog. Lendenwülste deuten auf eine Skoliose. Das Entstehen einer
Lumbalskoliose mit kompensatorischer thorakaler Gegenkrümmung kann durch eine lähmungsbedingte Beinverkürzung im Wachstumsalter verursacht sein. Hyperlordosen der
Lendenwirbelsäule sind praktisch immer mit einer starken Beckenkippung nach ventral zu sehen. Bei stärkeren Thorakalskoliosen oder Lähmungen der Intercostalmuskulatur ist die aktive Thoraxentfaltung verringert. Pathogenetisch relevante Übergangsregionen, wie der cervikothorakale und thorakolumbale Übergang müssen ggf. mit eingehenden Techniken segmental untersucht werden. Quantitative Messmethoden, wie Finger-Boden-Abstand, Test nach Schober oder Ott lassen eine genaue Verlaufsbeurteilung zu.

In der Palpation auffällig sind schmerzhafte Myogelosen der paravertebralen Muskulatur
und Verquellungen des Unterhautfettgewebes als Ausdruck einer funktionellen Störung.
Provokation spinaler, interspinaler und paravertebraler Druckschmerzen zeigen discoligamentäre Instabilitäten an, die radiologisch weiter abzuklären sind. Orientierend können durch klinische Muskelfunktionstests Defizite der Bauch- bzw. autochthonen Rückenmuskulatur aufgedeckt werden. Differenzierte Aussagen ergeben apparative Tests von Bewegung und Kraft. Zur Therapieempfehlung ist die Differenzierung zwischen Poliorestlähmung und Haltungsschwäche wichtig. Bei polioinduzierten Schwächen der wirbelsäulennahen Muskulatur mit Lähmungsskoliosen (nach Stagnara ca. 40%) wird sich eine aktive Skoliosetherapie nicht sinnvoll realisieren lassen.

Bundesverband Poliomyelitis e.V.

  • Interessengemeinschaft von Personen mit Kinderlähmung
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