Untere Extremität

Die Beinverkürzung kann bis über 10 cm betragen und korreliert mit dem Alter während
der Akutphase. In der Regel sind Ödeme durch die Polio-Pathogenese nicht zu erklären,
treten allerdings mitunter durch zirkuläre Orthesenverschlüsse oder andere Rückfluß-behinderungen auf. Bekannt sind lymphatische Lähmungsoedeme und auch eine sympathisch gestörte Vasomotorik der Nerven als Begleitung des Motoneuronschadens.
Bei der klinischen Untersuchung der Hüftgelenke, die in die gelähmten Bewegungsketten
mit einbezogen sind, findet sich eine passive Überbeweglichkeit. Ein Ein-/ Auswärtsrotationsumfang im gebeugten Hüftgelenk von über 150° ist nicht selten. Sekundäre Hüftpfannendysplasien können beobachtet werden, bei einer kompletten Parese wurden Luxationen nicht gesehen. Dagegen ist die Gegenseite typischerweise von überdurchnittlichem Knorpelverschleiß betroffen. Die Koxarthrose zeichnet sich durch eine schmerzhafte Einschränkung der Beweglichkeit aus und beginnt mit einer verminderten Innenrotations- und Extensionsfähigkeit. Die Kreuzdarmbeinfuge ist häufig Ausgangspunkt von Funktionsstörungen.

Bei der aktiven und passiven Bewegungsprüfung der Kniegelenke muss einerseits auf
Streckdefizite meist durch Kontraktur der dorsalen Kniebeuger und andererseits auf
übermäßige Rekurvation geachtet werden. Die Beurteilung der Bandstabilität wird in
Ergänzung zu den klinischen Provokationstests beim Belasten während der Standbeinphase
vorgenommen. Achsabweichungen im Varus-/oder Valgussinn können an den paretischen
Beinen, aber auch bei fortgeschrittenen Gonarthrosen auftreten. Degenerative Prozesse sind mit intermittierend deutlichen Kniegelenksergüssen, einer Gelenkkrepitation sowie eindeutigen Röntgenbefunden verbunden. Während bei einer ausschließlichen Poliosymptomatik die tiefstehende Kniescheibe überbeweglich ist, erscheint bei einer
Pangonarthrose die Patella hypomobil.

Bei isoliertem Ausfall der Fußheber entwickelt sich ein mehr oder minder ausgeprägter
Spitzfuß mit möglicher Kontraktur der Cruralmuskulatur. Das Vollbild eines sekundären
Lähmungsklumpfußes ist darüber hinaus noch von einer Vorfußsichelstellung, Supinations-
und Hohlfußkomponente geprägt. Nach Versorgung mit schuhtechnischen Zurichtungen
ist besonders auf atypische Verschwielungen oder Druckstellen zu achten. Das dekompensierte Vorfußquergewölbe ist vergesellschaftet mit Hallux valgus oder anderen Zehendeformitäten (Krallenzehen, Digitus superductus).

Bundesverband Poliomyelitis e.V.

  • Interessengemeinschaft von Personen mit Kinderlähmung
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