Vojta_2.Phase_Reflexumdrehen


Vojta__1._Phase_Reflexumdrehen

2.4.3. Vojta

Das System beruht auf empirischen Beobachtungen der Gesetzmäßigkeiten von Bewegungsabläufen der motorischen Entwicklung im 1. Lebensjahr. Gesunde Menschen können bei ihrer Alltagsorientierung auf sämtliche Bausteine der Aufrichtung und Fortbewegung automatisch und unbewusst zugreifen. Bei Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS) und des Haltungs- und Bewegungsapparates stehen die angebotenen Bewegungsmuster zum Greifen und Hantieren, zum Umdrehen und Aufstehen, zum Gehen und Laufen nur eingeschränkt zur Verfügung. Mit der Reflexlokomotion (Reflexfortbewegung) hat Vojta eine Methode entwickelt, die elementare Bewegungsmuster auch bei geschädigtem ZNS und Bewegungsapparat wieder zugänglich machen kann. Durch wiederholtes Auslösen von Reizen kommt es zur Freischaltung oder zu Neubahnungen innerhalb der neuronalen Netzwerke zwischen Gehirn und Rückenmark, die funktionell blockiert sind. Der Zugang zu den bei spontanen Handlungen im Alltag benötigten und unbewusst eingesetzten Muskelfunktionen wird "freigeschaltet" und die angebotenen Bewegungsmuster werden aktiviert. Das verbesserte Bewegungsniveau wird, auch bei nur wenigen kurzen Ausführungen, oft den ganzen Tag über gehalten. Diese Methode wirkt auf die vorhandenen Nervenbahnen auf den unterschiedlichsten Körperebenen von der Skelettmuskulatur über die inneren Organe bis zu höheren Gehirnfunktion und auf die Psyche des Patienten. Dadurch können mit der Vojta-Therapie neben der Körperhaltung und Fortbewegung auch vegetative Funktionen (Atmung, Durchblutung, Blasen- und Darmfunktion, Schlaf-Wachrhythmus) aber auch Schlucken, Augenbewegungen und Sprache aktiviert und beeinflusst werden.

Im Fortbewegungsprinzip nach Vojta werden in bestimmten Ausgangslagen (Rückenlage, Seitenlage, Bauchlage) über definierte Zonen (an bestimmten Punkten) am Rumpf und an den Extremitäten Reize (Druckreize) gesetzt. Diese bewirken Haltungs- und Bewegungsmuster, die den ganzen Körper einschließlich der Hände, Füße und des Gesichts, erfassen: das Reflexkriechen und das Reflexumdrehen. Sie beinhalten die für jede Fortbewegung untrennbaren Komponenten: die Aufrichtung gegen die Schwerkraft, die zielgerichtete Bewegung und die dynamische Anpassung der Körperlage. Neben der physiologischen Einstellung der Wirbelsäule und der Kugelgelenke sowie einer differenzierten Muskelarbeit sind u. a. eine Vertiefung der Atmung und eine Aktivierung des Kreislaufes und der Verdauung zu beobachten.

Die Therapie nach Vojta ist als Basistherapie unabhängig vom Alter des Patienten einsetzbar. Die Behandlung ist durch Kombination und Variation der Zonen und durch Auswahl der Ausgangsstellungen den Möglichkeiten des Patienten anzupassen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist die konsequente Arbeit, am idealsten mehrmals täglich. Der Therapeut ist für den individuellen Aufbau der Behandlung verantwortlich. Bei dieser Therapie werden vom Patienten aktiv, ohne zu trainieren und zu üben, grundlegende Voraussetzungen geschaffen, auf die andere Therapieformen dann aufbauen können.

Video der Therapie nach Vojta (Urheber ist der mittlerweile aufgelöste PolioEcho e. V.)


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