Medikamentöse Therapie

So lange die Ätiologie des PPS nicht überzeugend geklärt ist, wird es schwierig bleiben eine rational begründete medikamentöse Therapie des PPS zu entwickeln. Zusätzlich ist es methodisch schwierig, erfolgversprechende Wirkstoffe in einer wissenschaftlich exakten Weise auf ihre Wirksamkeit zu prüfen (Im Vergleich mit anderen neurologischen Erkrankungen langsame Progression, sehr variable Symptomatik der Patienten, Fehlen anerkannter und validierter Scores). Daher wurden bisher auch nur vereinzelt Therapieprüfungen bei PPS-Patienten unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt.

Einige Medikamente haben ausgehend von pathophysiologisch orientierten Hypothesen einen besonderen Stellenwert in der Therapie des PPS. Daneben ist es häufig notwendig, sich in der Auswahl der Medikamente an Leitsymptomen zu orientieren und die Erfahrungen und Prinzipien in der symptomatischen Therapie verwandter Krankheitsbilder zu nutzen.

Medikamentöse Schmerztherapie

Polio-Patienten sind chronisch kranke Patienten, bei denen es Schmerzen gibt, die trotz aller Maßnahmen im orthetischen Bereich oder im Rahmen der Physiotherapie nicht ohne Medikamente beherrschbar sind. Gerade hier müssen wir Medikamente verordnen, die mit möglichst wenig Nebenwirkungen verbunden sind.

Akut kann eine Besserung der muskuloskeletalen Symptome durch nichtsteroidale Antiphlogistika nötig sein, bei starken Verspannungen Benzodiazepine. Besonders bei den Benzodiazepinen halten die Autoren nur eine kurzfristige Gabe für vertretbar. Neben Medikamenten wie Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac kann ein Therapieversuch mit Vitamin- B- Komplex helfen. Diese Medikamente sind für die Dauertherapie aber im Allgemeinen nicht gut geeignet. Bei unzureichendem Erfolg sollte eine medikamentöse analgetische Therapie nach dem Stufenschema der WHO etabliert werden. Vor allem länger bestehende fibromyalgieartige Schmerzen sprechen besser auf Amitriptylin an. Schmerzen im Zusammenhang mit der oft deutlichen Osteoporose reagieren oft gut auf Bisphosphonate. Ergänzend sind Ca + Vit. D als Osteoporoseprophylaxe sinnvoll. Es fehlen große, wissenschaftliche Untersuchungen. Maßgeblich basierend auf den persönlichen Erfahrungen der Autoren schlagen wir daher die folgende typenspezifische medikamentöse Schmerztherapie vor:

Typ I (Post-Polio-Muskelschmerz)
Pregabalin (beginnend mit abends 75mg), Gabapentin (beginnend ambulant mit 2*300mg, maximal 3600mg), beide mit langsamer Aufsättigung unter enger ärztlicher Kontrolle. Keltican® (Cytidin/Uridinphosphat i. m. oder p. o.).

Besondere Beachtung in der Schmerztherapie verdient nach neueren Studien bei den o.g. Antiphlogistica die Wirksubstanz Etoricoxib. Dieser COX 2 Inhibitor (Inhibitor der Prostaglandin-E2 und Interleukin-6 Synthese bei Entzündungsprozessen) hat nach einer Arbeit von Renner eine ausgesprochen gute Verfügbarkeit im Liquor cerebrospinalis. Die Symptomatik des speziellen Post-Polio Muscle Pains machen deshalb einen Behandlungsversuch legitim unter der Berücksichtigung spezieller cardiovasculärer Ausschlußgründe wie dem instabilen Coronarsyndrom.

Typ II (Überlastungsschmerz)
Triggerpoint- Lokalanästhesie (Procain, Mepivacain, Ropivacain etc.)

Typ III (bio-mechanischer Schmerz)
lokal intraartikuläre oder ligamentäre Injektionen, Facetten-Infiltration (Lidocain, Mepivacain, Steroide). Sklerosierungen mit Glycerol an Kapseln und Bändern bei Hypermobilitätsschmerzen.

Typ III Nach bisherigen Studien nicht wirksame Medikamente:
Coenzym Q hat keinen zusätzlichen Nutzen bei einer kombinierten Behandlung zusammen mit Widerstandstraining.

Bundesverband Poliomyelitis e.V.

  • Interessengemeinschaft von Personen mit Kinderlähmung
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