• Eine chronische ventilatorische Insuffizienz kann die entscheidende Ursache der verminderten körperlichen Belastbarkeit von PPS-Betroffenen sein!

Atmungsfunktion

Eine chronische ventilatorische Insuffizienz kann die entscheidende Ursache der verminderten körperlichen Belastbarkeit von PPS-Betroffenen sein! Unter einer „ventilatorischen“ Insuffizienz versteht man aus pathophysiologischer Sicht eine Störung der Atempumpe, die zu einer respiratorischen Globalinsuffizienz führt.

Eine echte chronische ventilatorische Insuffizienz entsteht beim Postpoliosyndrom allerdings eher selten. Die Häufigkeit wird mit <5% aller PPS-Fälle angegeben. Daneben gibt es aus pathophysiologischer Sicht auch eine „pulmonale“ Störung, die aus einer Erkrankung der Lunge resultiert und zu einer respiratorischen Partialinsuffizienz führt. In der älteren PPS-Literatur wird immer wieder von „pulmonalen“ Beschwerden berichtet und die Häufigkeit „pulmonaler“ Probleme beim Postpoliosyndrom mit etwa 40% angegeben. Diese Bezeichnung ist aus heutiger Sicht irreführend, da hierunter alle subjektiven, die Atmung betreffenden Symptome subsumiert wurden.

Eine respiratorische Insuffizienz kann akut oder chronisch auftreten. Das Vorgehen bei der akuten respiratorischen Insuffizienz wurde in der S3-Leitlinie „Nichtinvasive Beatmung als Therapie der akuten respiratorischen Insuffizienz“ publiziert.

Beim Postpoliosyndrom muss eher auf die Entstehung einer chronischen ventilatorischen
Insuffizienz geachtet werden. Da sich die Symptome der Unterbeatmung meist langsam
über längere Zeiträume entwickeln, werden sie oft weder von den betroffenen Patienten
noch von den betreuenden Ärzten als solche erkannt, obwohl sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eine frühere Beatmungsnotwendigkeit (im Rahmen der akuten Poliomyelitis) stellt einen Risikofaktor für eine spätere ventilatorische Insuffizienz dar.
Bei Patienten mit einer akuten Poliomyelitis kam es während der Akuterkrankung teilweise
zum Ventilationsversagen, und es mussten im Akutstadium Beatmungsverfahren
eingesetzt werden (oft die „Eiserne Lunge“). Bei einigen dieser Patienten bildete sich das
Atmungsversagen nicht zurück, so dass eine lebenslange Beatmung (z.T. dauerhaft, z.T.
intermittierend) notwendig wurde. Andere Patienten konnten erfolgreich von der Akutbeatmung entwöhnt werden, wobei diese Patienten eine signifikant schlechtere Atmungsmuskelkraft aufweisen als PPS-Betroffene, die nie beatmet werden mussten.
Aber auch PPS-Betroffene, die nie beatmet werden mussten, können eine spätere Funktionsstörung der Atempumpe entwickeln.

Eine Unterbeatmung kann durch die damit verbundene Infektionsanfälligkeit und durch
eine infolge von Hypoxämie und Hyperkapnie auftretende Rechtsherzbelastung lebensbedrohlich werden.

Häufige Beschwerden bei Unterbeatmung

  • Dyspnoe/Tachypnoe (bei Belastung und/oder in Ruhe)
  • morgendliche Kopfschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • psychische Veränderungen (z. B. Ängste, Depressionen,
    Persönlichkeitsveränderungen)
  • Schlafstörungen (nächtliches Erwachen mit Dyspnoe, unerholsamer Schlaf, Tagesmüdigkeit, Einschlafneigung, Alpträume)
  • Polyglobulie
  • Tachykardie
  • Ödeme
  • Corpulmonale

Bereits in den 70er Jahren wurden diese spät einsetzenden respiratorischen und Kreislaufprobleme folgendermaßen beschrieben: zunehmende Müdigkeit, Gedächtnisschwund, Rückgang der intellektuellen Wahrnehmungsfähigkeit, zunehmende Dyspnoen bei Anstrengungen und erhöhte Empfindlichkeit für respiratorische Infektionen und zunehmende Kälteempfindlichkeit mit kalten Extremitäten, peripheren Zyanosen und peripheren Ödemen.

Eine Sonderform von Atmungsstörungen betrifft den Schlaf und tritt als schlafbezogene
Atmungsstörung ausschließlich oder primär im Schlaf auf. Das charakteristische Muster
dieser gestörten Atmung im Schlaf sind Apnoen oder Hypopnoen mit oder ohne pharyngeale Obstruktion und Hypoventilation. Es gibt Hinweise, dass schlafbezogene
Atmungsstörungen bei Patienten mit einem Postpoliosyndrom häufiger anzutreffen sind
als in der Allgemeinbevölkerung.

Bundesverband Poliomyelitis e.V.

  • Interessengemeinschaft von Personen mit Kinderlähmung
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