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Der OP-Tag

Narkosen bei Patienten mit Post-Polio-Syndrom

Informationen für Patienten und Ärzte

Im Zusammenhang mit einer körperlichen Behinderung, funktionellen und strukturellen orthopädischen Problemen bedürfen Patienten, die an einem Post-Polio-Syndrom leiden, eher einer Operation. Gerade im Hinblick auf die Polio-Spätfolgen

• mit neuer Muskelschwäche
• rascherer Ermüdbarkeit/Müdigkeit
• Gelenk- und Muskelschmerzen
• Kälteintoleranz
• Atemfunktionsstörungen
• Schwäche der Schlundmuskulatur mit Schluckbeschwerden
• erhöhte Inzidenz von obstruktiver und  zentraler Schlafapnoe


besteht eine teils begründete, teils aber auch unbegründete Verunsicherung vor einer Operation und der notwendigen Narkose.
Das Krankheitsbild Post-Polio-Syndrom ist auch vielen Anästhesisten nicht so vertraut. Ein entsprechend angepasstes perioperatives Management aufgrund der Pathophysiologie
der Erkrankung sollte erfolgen. Eine intensive und umsichtige Vorbereitung selbst bei offensichtlich gesunden, respektive muskulär kompensierten PPS-Patienten ist für die Sicherheit in der perioperativen Phase sehr wichtig!

Im Folgenden sollen Patienten und Anästhesisten die wichtigen Besonderheiten der Erkrankung aufgezeigt und die daraus folgenden Vorgehensweisen erläutert werden.

Präoperative Maßnahmen/ Prämedikationsvisite

Das Post-Polio-Syndrom ist eine klinische Diagnose. Eine sorgfältige Anamnese und Untersuchung ist unabdingbar. Der neurologische Befund/Status ist genau zu dokumentieren (aktuelle Befunde).

Folgende Fragen sind wichtig für die präoperative Einschätzung:

• Welche Muskeln waren bei der akuten Polio- Erkrankung in welcher Ausprägung  
   betroffen?

• Wie gut war die Regeneration?

• Bestand bei der Ersterkrankung eine Beatmungspflicht/ Atemschwäche?

• Welche Einschränkungen bestehen momentan?

Beeinträchtigungen des Atemsystems (Thoraxdeformität, einseitige Stimmbandparese, Schlafapnoe, Schwäche der Atemhilfsmuskulatur) müssen beachtet werden. Bei starker Thoraxdeformität kann eine Echokardiographie zur Bestimmung der kardialen Funktion sinnvoll sein.

Viele PPS-Patienten haben rezidivierend Schmerzen und sind mit Schmerzmitteln vertraut. Wirksamkeit der Medikamente dokumentieren (erhöhte Opioid-Empfindlichkeit)!

Bei PPS-Patienten mit einer wesentlichen Lähmung besteht durch die geringere Muskelmasse ein reduziertes Blutvolumen (Blutkonserven!).

Medikamente zur Prämedikation sollten sedierend / anxiolytisch wirken, nicht muskelrelaxierend (z. B. Promethazin, Opipramol oder alpha-2-Agonisten).

Bei Eingriffen an den Extremitäten sind periphere Nervenblockaden
oder Regionalverfahren von Vorteil!


Es ist eine Verschlechterung der neurologischen Situation nach Regionalanästhesie möglich, die Entscheidung für oder gegen diese Verfahren wird mit Ihrem Anästhesisten unter Abwägung der potentiellen Vor- und Nachteile erfolgen!
Patienten mit PPS sind perioperativ aspirationsgefährdet, es besteht häufig ein gestörter Schluckakt. Die Gabe von Antazida (z. B. 300 mg Ranitidin p. o.) am Vorabend und am OP-Tag präoperativ und eine Prophylaxe von postoperativer Übelkeit und Erbrechen ist empfehlenswert.


Bundesverband Poliomyelitis e.V.

  • Interessengemeinschaft von Personen mit Kinderlähmung
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