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Team Dr. Ruetz
Bild von links nach rechts:
Oberarzt Dr. Peter Niederle
Assistenzarzt Randolf Comtesse
Chefarzt Dr. Axel Ruetz

VR-Bank Rottal Inn eG

Merlin goes to Westerwald

Projekt der Regionalgruppe 72 - Rottal/Inn

4-Tages-Gruppenfahrt zum CEW-Freizeitheim Rehe mit Besuch der Polio-Ambulanz in Koblenz


Wer ist Merlin? Was treibt ihn oder sie in die Westerwaldregion und was hat die Regionalgruppe 72 des BV Polio e.V. damit zu tun?
Merlin - so heißt der Bus des Reisedienstes für Rollifahrer der VbA, München (Selbstbestimmt Leben e.V.), der über einen Hebelift, ein Rollstuhlrückhaltesystem sowie eine Behindertentoilette verfügt. Um unseren Gruppenmitgliedern die Fahrt mit diesem Spezialbus zur Polio-Ambulanz im etwa 600 km entfernten Koblenz zu ermöglichen, haben wir, die Verantwortlichen der RG 72 Rottal/Inn, Ende des vergangenen Jahres auf dem VR-Bank Spendenportal VIELE SCHAFFEN MEHR das Projekt "Merlin goes to Westerwald" initiiert. Zusätzlich zum schriftlich ausgearbeitetem Konzept drehten wir einen kurzen Film, mit dem wir uns, das Postpoliosyndrom und unsere Selbsthilfearbeit vorstellten und um Unterstützung für unser Vorhaben warben.
VR-Bank
Nachdem auch die örtliche Presse über unser Projekt berichtete, wurde unserer Gruppe und unserem
Krankheitsbild nicht nur eine vermehrte öffentliche Aufmerksamkeit zuteil, es füllte sich  unser Spendentopf innerhalb kurzer Zeit, sogar über das gesetzte Ziel hinaus.
Bei hitverdächtigen Temperaturen starteten wir am 01. Juli mit dreiunddreißig Gruppenmitgliedern in Richtung Westerwald. Dank dem vollklimatisierten und behindertengerechten Reisebus, unserer taffen Busfahrerin Grit und der Premium-Verpflegung durch unser "Geburtstagskind" Eckhard konnten wir - entspannt und früher als erwartet - bereits am Spätnachmittag unser Quartier beim CEW in Rehe beziehen und im dortigen "Cafè im Grünen" Eis und Cappuccino genießen. Den ersten Abend nutzten wir, wie auch die folgenden, für einen ungezwungenen Erfahrungsaustausch ohne Zeitdruck und zum näheren Kennenlernen der  neu hinzu gekommenen Gruppenmitglieder. Dabei trug auch die freundliche Atmosphäre des Freizeitheims dazu bei, die Seele mal so richtig baumeln zu lassen.
Nach dem Frühstück brachen wir am folgenden Tag mit dem Bus nach Koblenz auf, wo eine dreistündige Fahrt mit einem behindertengerechten Schiff rheinaufwärts bis Boppard und zurück auf dem Programm stand. Obwohl schon lange vorgebucht, stand jedoch das betreffende Schiff nicht zur Verfügung. Ärgerlich, aber nicht zu ändern! Wir halfen alle zusammen und konnten so - allerdings mit Abstrichen, was die Barrierefreiheit betrifft - auf ein Schiff. Bedauerlich, dass viele Menschen, wie in diesem Fall die Betreiber der Schifffahrtsgesellschaft, sich nicht darüber im Klaren sind, dass BARRIEREFREI nicht einfach nur "ohne Stufen" bedeutet, sondern dass viel mehr dazugehört! Mit einem ausführlichen (Beschwerde-) Brief werden wir dazu beitragen, dieses Wissensdefizit bei der betreffenden Firma abzubauen. Nichtsdestotrotz nahmen wir viele schöne Eindrücke von dieser Schifffahrt mit, eine wunderbare Landschaft mit unzähligen Burgen und kleinen Schlössern zog an uns vorüber und machte diesen Programmpunkt zu einem besonderen Erlebnis.
Der Hauptgrund unserer Westerwaldreise, der Besuch des Poliozentrums mit angeschlossener Polioambulanz im Katholischen Klinikum Koblenz, stand im Mittelpunkt des dritten Tages. Mit kalten Getränken und einem herzlichen Willkommen wurden wir von Chefarzt Dr. Axel Ruetz begrüßt. Er stellte uns sein Team für die Behandlung von Poliopatienten vor, Herrn Oberarzt Dr. Peter Niederle und Herrn Comtesse. Anschließend erläuterte Dr. Ruetz das Behandlungskonzept, das sich aus vier Modulen zusammen setzt. Modul A umfasst eine Bestandsaufnahme, stellt Funktionsverluste und das verbliebene Leistungs-vermögen fest. Eine besondere Rolle spielt hierbei unter anderem die isokinetische Kraftmessung, eine schlafmedizinische Untersuchung und eine Gang-analyse. Alle weiteren Module mit orthopädischen Maßnahmen, schmerz- und physio-physikalischen Therapien, Funktionstraining und eventueller Orthesen- bzw. Rollstuhlversorgung bauen auf dieser Eingangsuntersuchung auf, die auch Voraussetzung zur stationären Behandlung ist.
Beim anschließenden Rundgang durch die neue Poliostation konnten wir uns von der Funktionalität der Räume und der Ausstattung, die speziell auf die Bedürfnisse von körperbehinderten Menschen ausgerichtet ist, überzeugen. Nach einem stärkenden Mittagsimbiss in der Klinikcafeteria führte uns Dr. Ruetz in das Therapiezentrum und erklärte uns mittels verschiedener Anschauungsmodelle den Einsatz von Orthesen. Physiotherapeut und Dipl.-Sportwissenschaftler Thomas Bach demonstrierte mit einer Poliopatientin die Biodex-Isokinetik-Kraftmessung, mit der anhand von Kurven die Leistungsfähigkeit von Muskeln und Muskelgruppen differenziert aufgezeigt werden kann.
 Wir alle waren beeindruckt von den Diagnosemethoden und den vielfältigen Therapiemöglichkeiten, die hier für Polio- und Postpoliopatienten entwickelt und angeboten werden.

Wir danken Herrn Dr. Ruetz und seinen Kollegen, die uns diesen umfassenden Einblick in die Arbeit der Polioambulanz Koblenz ermöglicht haben, für die vielen interessanten Informationen und die geduldige Beantwortung unserer Fragen. Ein herzliches Dankeschön gilt auch der Koblenzer Polio-Ansprechpartnerin Erika Höfs die uns bei diesem Klinikbesuch in ganz hilfreicher Weise unterstützt hat!
 
Mit vielen neuen Erkenntnissen im Gepäck traten wir am folgenden Morgen die Heimreise an. Der Zusammenhalt, die gegenseitige Hilfe und Unterstützung der Gruppenmitglieder war großartig und ließen diese Fahrt und somit unser Projekt "Merlin goes to Westerwald" zu einem unvergess-lichen Erlebnis werden. Last but not least bedanken wir uns bei Thomas Hofbauer von der Crowd-funding-Abteilung der VR-Bank Rottal/Inn und allen Spendern, die uns diese Reise ermöglicht haben! 


Ein Bericht von Gertrud Meister

Bundesverband Poliomyelitis e.V.

  • Interessengemeinschaft von Personen mit Kinderlähmung
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