• rendeep kumar r - shutterstock.com
  • Info & Service

    [Poliomyelitis]

    Poliomyelitis anterior acuta oder spinale Kinderlähmung, wie diese Krankheit auch genannt wurde, ist eine akut auftretende Viruserkrankung, die in der westlichen Welt etwa bis in die frühen 60er Jahre verbreitet war.

Web-Link

Pressemitteilung


Deutschland nach der Staatenprüfung: Es bleibt viel zu tun!

In Deutschland leben etwa 50.000 bis 60.000 Menschen mit den Folgen einer Poliomyelitis (Kinderlähmung), einer heimtückischen Krankheit, die seit Einführung der Schluckimpfung Anfang der 60er Jahre in diesem Land als überwunden gilt. Weithin unbekannt, auch hier in Deutschland, ist bisher eine besondere Spätfolge der Poliomyelitis, die erst Jahre bis Jahrzehnte nach der Erkrankung auftritt: das Post-Polio-Syndrom. Das ist eine neue Störung mit Schwäche, Abnahme der Muskelmasse, Schmerzen, Ermüdbarkeit oder vermehrter muskulärer Erschöpfbarkeit, die das Leben der Betroffenen oftmals zu einer Herausforderung werden lässt.

Doch zu den gesundheitlichen Einschränkungen dieser Menschen kommt, dass ihre Lebenssituation dadurch erschwert wird, dass die Strukturen vor Ort oft nicht dem entsprechen, was Menschen mit Behinderungen brauchen, um gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Ein Beispiel: In dem im Jahre 2019 vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Mikrozensus-Zusatzprogramm „Wohnen“ wurden bundesweit Daten zu Barrieren beim Zugang zur Wohnung bzw. zu Barrieren innerhalb der Wohnung erhoben. Demnach sind nur zwei Prozent aller Wohnungen und Einfamilienhäuser in Deutschland annähernd barrierefrei. Lediglich jedes zehnte Gebäude lässt sich stufenlos betreten und selbst bei den Neubauten der letzten drei Jahre wurde nur bei jedem Fünften weitgehend auf Barrieren verzichtet.

Auch die Ende August dieses Jahres vom UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen hinsichtlich der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention durchgeführte Staatenprüfung Deutschland ergab: Es mangelt erheblich an Barrierefreiheit im öffentlichen und privaten Raum. So ist der Fachausschuss besorgt über die (zu) enge Ausführung des Europäischen Barrierefreiheitsgesetzes, „die sich auf die obligatorischen Verpflichtungen beschränkt und wichtige Bereiche wie Gesundheitsdienste, Bildungsgüter und -dienstleistungen, Haushaltsgeräte und die bauliche Umwelt ausklammert“. Ausdrücklich weist der Fachausschuss auf das unzureichende Angebot an erschwinglichem, barrierefreiem Wohnraum und die oft unzureichenden Baustandards der Bundesländer hin. Mängel gibt es auch hinsichtlich der Zugänglichkeit zu öffentlichen Verkehrsmitteln und es fehlt vielfach an Mechanismen für die Beteiligung von Organisationen von Menschen mit Behinderungen an der Entwicklung von Standards für Barrierefreiheit.

Der Bundesverband Poliomyelitis e. V., mit seinen etwa 2800 Mitgliedern die stärkste Interessenvertretung von Menschen, die mit den Spätfolgen dieser Erkrankung in Deutschland leben, unterstützt die Empfehlungen des UN-Fachausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Dabei geht es unter anderem darum, die Gesetzgebung auf Bundes- und Länderebene zu ändern, um alle für die Öffentlichkeit erbrachten Dienstleistungen sowohl öffentlicher als auch privater Einrichtungen barrierefrei zu gestalten. Auch die gesetzlichen Anforderungen an den barrierefreien Zugang zu öffentlichem und privatem Wohnraum für neue und bestehende Gebäude müssen erweitert und verschärft werden. Der Bau neuer, nicht barrierefreier Wohnungen sollte nur in eng definierten Ausnahmefällen zugelassen werden. Das wäre ein wichtiger Schritt, um für die Betroffenen und ihre Angehörigen Teilhabemöglichkeiten in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu gewährleisten.

Pressekontakt:

Bundesverband Polio e. V.

Beartungs- und Geschäftsstelle

Freiberger Straße 33

09488 Thermalbad Wiesenbad

03733 504-1187


Bundesverband Poliomyelitis e.V.

  • Interessengemeinschaft von Personen mit Kinderlähmung
  • Freiberger Straße 33  |  09488 Thermalbad Wiesenbad